Spiele sind ganz gross in Japan, das weiss eigentlich jeder. Zu den Wenigsten dringt jedoch durch, welche Vielfalt in Nippon gebot wird. Ein ganz skurriles Genre sind die sogenannten Dating-Sims, die in Japan genauso wie das grosse Rollenspiel und klassische Jump N’ Run zu jeder Kosole gehören.
Bei einem Dating-Sim(-ulation) schlüpft man meist in die Rolle eines Verehres, der sich kräftig ans Baggern macht. Wer sich geschickt anstellt, darf neben leeren Versprechen auch tätig werden. Das ganze bleibt aber setst jugendfrei und züchtig.
Für den 3DS wird in Kürze “If I were alone with a girl in sealed room …” erscheinen. Da macht man nicht lange rum und packt die komplette Spielbeschreibung gleich in den Titel. Der japanisch-kundige Lustmolch darf sich ganz nach Belieben mit seinem Traumgirl ausleben, sich nach Herzenslust unterhalten und sogar in der Turnhalle zum Bockspringen auffordern. Das klingt nicht gerade nach einer sicheren Sache für den Verkauf in Europa. Die westlichen Publisher sehen das wohl auch so und deswegen wird wohl kein Dating-Sim so schnell mit einer Englischen Lokalisierung bedacht werden.
Wer denkt, dass es sich hier um eine Nischenprodukt handelt liegt jedoch nicht ganz richtig: Dating-Sims sind populär in Japan und werden in respektablen Mengen verkauft. Schon fast ein Klassiker des Genres ist die Dream Club Reihe, die mittlerweile auf PSP, Xbox 360 und der Playstation Vita vertreten ist. Der Dream Club ist ein Hostessen Club. Man kann sich mit den Mädels unterhalten, Mahjong spielen und als Highlight: Karaoke singen. Wer sich gut macht, darf sogar ein Küsschen wagen. Als besonderes Schmankerl ist es möglich in das Fell eines kleinen Hundes zu schlüpfen. Aus Sicht des Vierbeiners wird man von der lieblings-Hostesse ordentlich durchgeknuddelt. Da hat der Dating-Sim Liebhaber doch nur drauf gewartet.
Eine andere sehr populäre Reihe ist Love Plus, die für den Nintendo DS erschien. Das Spiel erlaubt sogar Zukunftspläne mit der virtuellen Freundin zu schmieden und hat schon so manche Krise in der echten Beziehung verursacht. Da war die Freundin auf ihr virtuelles Pendant eifersüchtig und hat den unschuldigen Spieler aufgefordert sich zwischen ihr und der neuen Liebschaft zu entscheiden. Realität und Spiel verschwimmen. Ein zufriedener Kunde schreibt bei amazon.co.jp “We’ll definitely have luck together as a couple. Thank you so much Konami”. Auch ich wünsche den beiden nur das Beste.
Anfangs dachte ich, dass es sich bei diesen Dating-Sims hauptsächlich darum dreht ein bisschen nackte Haut zu erhaschen und die virtuellen Damen in möglichst kompromittierenden Posen zu betrachten. Der Hauptaugenmerk liegt jedoch darauf eine möglichst “echte” virtuelle Beziehung nachzubilden. Love Plus treibt das Ganze auf die Spitze. Der Spieler wird vom Spiel geweckt, kann sich über Spracherkennung mit seiner neuen Geliebten unterhalten, geht mit ihr gemeinsam in den Urlaub und darf sich auch mal streiten. Von Sex ist keine Rede. Auch in den japanischen Hostessen-Clubs geht es traditionell gesittet zu. Nicht Verführung, sondern Anerkennung, die den Gästen dort gegeben wird, steht im Mittelpunkt. Die jungen Männer sehnen sich nach Zuneigung und Aufmerksamkeit. Wer sie im Leben nicht bekommt, sucht sie sich eben virtuell.
Nippon liebt das Extravagante und Verschrobene. In wohl keinem anderen Land werden so viele ausgefallene Fetische bedient und nirgends ist der Kontrast zwischen Etikette und Träumen so gross. Während der Prohibition wurde am meisten gesoffen und im prüden Iran ist das meist gesuchte Wort bei google Sex. Den Japanern seis gegönnt, Prost!



























