Brunch? Thanks, but NO thanks!

Als ich gestern Abend im Bett lag und krampfhaft versucht habe, einzuschlafen, konnte ich nicht aufhören zu denken. Ich weiß nicht, ob ihr das Gefühl kennt, wenn man so gerne schlafen möchte und sich dann selbst sagt, dass man nach einer Stunde hin- und herwälzen auch wirklich Schlaf verdient hat.

Und genau in solchen Situation spielt einem der eigene Kopf einen assozialen Streich, indem er nicht aufhört über alles Mögliche zu sinnieren. Angefangen von belanglosen kleinen Gedanken bis hin zu Selbstgesprächen, in denen man sich sagt, dass man es doch bitte unterlassen möge, nachzugrübeln und am besten auch das Selbstgespräche im Bett führen gleich an den Nagel hängen sollte.

Ich lag nun also schon einige Zeit mit meinem Kopf und seiner eigenen kleinen Party wach, bei der ich trotz meiner offensichtlichen Gastgeberqualitäten nicht wirklich etwas zu melden hatte, als diese herzige Spinnerei meinen Kopf durchzog: Warum in aller Welt gibt es den Brunch? Ja, auch ich fand brunchen mal wahnsinnig sophisticated und erwachsen, aber diese Zeit ist nun passe’ und ich muss mit Entsetzen feststellen, dass ich mich habe blenden lassen.

Der Brunch ist weder Fisch noch Fleisch. In keiner der Situationen, die ich mir gestern ausgemalt habe, geht man als “Brunchee” glücklich aus diesem Erlebnis hervor. Entweder man hat schon gefrühstückt, dann ist der Brunch mit seiner riesigen Auswahl wie Perlen vor die Säue werfen. Man nimmt sich ein kleines Gebäckteilchen, etwas lieblos geschnittenes Obst und eine dieser niedlich verpackten Marmeladen, nur um sie später auf dem Teller anzustarren. Gegessen wird nur, weil man sich ja zum Brunchen verabredet hat. Oder man hat noch nicht gefrühstückt. Dann ist diese Mahlzeit umso schlimmer.
Hungrig und schlecht gelaunt muss man von einem Standort zum Nächsten laufen, um Aufschnitt, Brötchen und ein bisschen von den Mittagsgerichten, die aus dem Frühstück den Brunch machen, auf seinem Teller zu parken. Leider ist das Frühstück nicht geeignet, den Magen zu beruhigen und das angebotene warme Essen nicht gut genug, um sich daran satt zu mampfen.
Warum bitte gibt man sich dann diesen Stress, wenn der Magen doch nur als Enttäuschter den Raum verlässt?

Ich persönlich glaube ja, dass der Brunch als Trend zu uns Deutschen herüber geschwappt ist und dankbar aufgenommen wurde. Genau so hat sich Ed Hardy breit gemacht. Und was daraus geworden ist, muss nicht in Worte gefasst werden. Immer auf der Suche nach neuen Trends, so sind wir halt.
Heute möchte ich allerdings innehalten und dem Brunch einen Riegel vorschieben. Ich habe ihm etwas zu sagen:

Du bist nicht cool und auch nicht trendy. Du bist höchstens ganz nett. Befriedigt und wunschlos glücklich gemacht hast du mich aber nie. Ich will ehrlich sein, du warst nur Mittel zum Zweck der kommunikativen Interaktion. Aber meine Freunde und ich haben mittlerweile Cocktailbars und Bierhäuser für uns entdeckt und bei denen isses viel schöner. Nimm dir lieber mal ein Vorbild an deinen großen Geschwistern “Leckeres Frühstück” und “Gutes Mittagessen”, die wissen, wie man mit uns umgehen muss.

4 total comments on this postSubmit yours
  1. So viel zu unserer Brunch-Verabredung am Montag, Eule.

    • Not Brunch, sondern Brunchfast!

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