Jeden Sonntag ein neuer Film, dem vielleicht sogar der ein oder andere Tatort-Enthusiast eine Chance gibt. Sorgfältig selektiert und immer etwas Abseits von den gewohnten Pfaden. This time, nicht ganz unbekannt, Videodrome von David Cronenberg.
Cronenberg war noch nie ganz einfach und schon gar nicht jedermanns cup of tea. Wahrscheinlich ist es das, was ihn für Viele so faszinierend macht. Ein bisschen wie Lars Van Trier, aber doch ganz anders. Synthese und Verwandlung ist schon immer ein grosses Thema in seinen Filmen gewesen, vielleicht auch die Veränderung an sich. Egal ob “mind altering” wie in “Naked Lunch”, oder die Verquickung von Mensch und Cyberspace in “Existenz”. Da ist es nicht verwunderlich, wenn das Medium im Speziellen in “Videodrome” thematisiert wird und man schlussendlich wieder vor der grossen Frage nach den Sehnsüchten des Menschen steht. Das ständige Streben nach mehr, nach dem Extrem und dem Exzess. Was nicht gewisse Grenzen übertritt, ist uninteressant. Wer den Zuschauer nicht zu Schocken vermag, kann auch gleich das Handtuch schmeißen.
Max Ren, der Programmdirektor eines kleinen Fernsehsenders, ist auf der Suche nach diesem Extrem. Kleine Softpornos und Schmuddelfilmchen reichen ihm nicht mehr. Neues aufregendes Material ist gefragt, und man endet schließlich im dreckigen Sumpf der Snuff-Filme. Interessanterweise wird die Authentizität des zufällig in seine Hände gefallenen Materials von Ren zunächst geleugnet. Er belügt sich selbst, versucht somit vielleicht die Perversion seiner Sehgewohnheiten zu Verharmlosen. Videodrome, so heißt der “neue Stoff”, wird zur Sucht- das Heroin des kleinen Mannes. Der Mensch Ren wird zum Empfänger, öffnet sich der Droge und wird vom Medium mit Haut und Haar instrumentalisiert und aufgesogen. Cronenberg sucht analog zu seinem Protagonisten nach neuen, drastischen Mitteln der filmischen Umsetzung. Er lehnt sich mit äußerst grafischen Bildern dem Gore an und scheut sich nicht davor, all das zu zeigen, was ihm seine Vorstellungskraft suggeriert. Der Film an sich wird Teil des Mediums, dementiert und hinterfragt sich somit selbst. Und am Ende ist der Zuschauer der Zeuge.
In Deutschland leider nicht ungeschnitten veröffentlicht worden und lediglich zerstückelt mit erbärmlichem Transfer zu haben. Wer sich rühmen kann, dass der eigene DVD-Player keinem Regionalcode unterworfen ist, darf sich über eine hervorragende Veröffentlichung von Criterion freuen. Wie immer mit reichlich Boni, Booklet und schickem Case:
Videodrome – Criterion Collection (DVD)
Videodrome – Criterion Collection (Blu-Ray)





















