Sunday Movie: Yojimbo von Akira Kurosawa

Kurosawa ist wohl der westlichste vonallen japanischen Regisseuren. Seine Vorbilder kamen stets mehr aus Hollywood, als aus dem fernen Osten. Kurosawa’s Samurai-Filme könnten von daher genauso gut mit etwas anderem Dekor im Wilden Westen spielen und wurden tatsächlich auch oft von Hollywood kopiert. “Yojimbo” ist für mich immer noch einer der schönsten und unterhaltsamsten Streifen von Kuroswa. Natürlich spielt auch hier sein altbekanntes Starlet Toshiro Mifune eine tragende Rolle, die eines wortkargen Söldners im wilden Japan.

Ein kleines Dorf wird von zwei rivalisierenden  Geschäftsmännern terrorisiert, die beide unentwegt um die Vorherrschaft der kleinen Gemeinde kämpfen. Als Soldaten heuern die beiden Söldner an, mal besser, mal schlechter bezahlt. Der mysteriöse Sanjuro kommt ahnungslos in die kleine Stadt. Obwohl ihm von allen Seiten abgeraten wird, zu bleiben, tut er genau das. Um seinen Wert als Kämpfer und Bodyguard zu demonstrieren, scheut er nicht davor zurück, sein Künste mit dem Schwert zur Schau zu stellen. Der geübte Samurai wird zum umworbenen Kämpfer, spielt die beiden Kontrahenten gegeineinader aus und treibt seinen eigenen Wert und Sold in die Höhe.

Yojimbo” (übersetzt: der Bodyguard) ist dabei im Herzen ein Western, wie er klassischer nicht sein könnte. Staub weht durch die Straßen, die Waffen regieren und ein Bürgerkrieg tobt in der kleinen Stadt. Doch anders als bei Hollywood sind die Fronten zwischen Gut und Böse nicht klar geteilt. Sanjuro kämpft nicht für die unterdrückten, leidenden Einwohner des kleinen Dorfes, ist nicht der heroische Retter. Lediglich sein eigener Vorteil ist ihm wichtig. Man merkt ihm wahrlich an, mit welchem Spaß er kleine Intrigen zwischen den beiden Kontrahenten schürt. Mal schlägt er sich sich auf die eine, mal auf die andere Seite. Ob jemand und wer dabei stirbt, ist ihm vollkommen gleichgültig. Kurosawa zeichnet die Charaktere des Filmes nur schemenhaft, er karikiert. Er lässt es nicht zu, dass der Zuschauer Sympathie aufbaut und womöglich noch mit den einzelnen Schicksalen mitfühlt. Der Regisseur bleibt seinen Figuren gegenüber stets neutral, bezieht keine Stellung und unternimmt nichts, um den Zuschauer zu einem der Lager zu locken. Abgehackte Gliedmaßen werden gleichgültig übergangen und die eigentlich blutigen Kämpfe der beiden Parteien mit ungewohnter Leichtigkeit inszeniert. Yojimbo ist eine Komödie und nimmt sich im Gegenzug zu seinem Pendant von Sergio Leone (“Für eine handvoll Dollar”) nicht im Geringsten ernst. “Yojimbo” ist quasi eine Parodie auf sein eigenes Genre und nimmt dem Film den Pathos, der bei Samurai-Filmen und Western gleichermaßen unabdingbar war, und doch viel zu oft zum tragenden Stilelement gemacht wurde. Der große Erfolg von “Yojimbo” hat zahlreiche Remakes nach sich gezogen, von denen aber keines dem Original das Wasser reichen konnte.


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